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ISOISO 9001

ISO 9001 Klausel 7.1.6 & 7.2: Wissen der Organisation und Personalkompetenz im Audit

ISO 9001:2015 — Qualitätsmanagementsysteme · Anforderungen

Von BusFactor RedaktionVeröffentlicht Aktualisiert

Die mit der 2015er-Revision neu eingeführte Klausel 7.1.6 zum „Wissen der Organisation“ wirkt unauffällig — und ist eine der häufigsten Quellen für Major-Findings im Mittelstand. Zusammen mit 7.2 (Kompetenz) und 7.5 (dokumentierte Information) bildet sie das eigentliche QM-Fundament für rollenbezogene Wissenssicherung.

Relevante Klauseln im Wortlaut

Klausel 7.1.6 — Wissen der Organisation

Die Organisation muss das Wissen bestimmen, das für die Durchführung ihrer Prozesse und für die Konformität ihrer Produkte und Dienstleistungen notwendig ist. Dieses Wissen muss aufrechterhalten und in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung gestellt werden."

Klausel 7.2 — Kompetenz

Die Organisation muss die Kompetenz der Personen bestimmen, sicherstellen und mit dokumentierter Information belegen."

Klausel 7.5 — Dokumentierte Information

Die Organisation muss die dokumentierte Information erstellen, lenken und aufrechterhalten, die das QM-System verlangt."

Typische Audit-Findings

  • Klausel 7.1.6 wird mit „Schulungsplan“ beantwortet — das deckt aber nur 7.2 ab, nicht 7.1.6.
  • Kompetenzmatrix existiert, ist aber zwei Jahre alt und nie revalidiert.
  • Erfahrungswissen aus abgeschlossenen Kundenprojekten („was lief gut, was nicht“) wird nicht systematisch zurückgespielt.
  • Senior-Mitarbeiter halten kritisches Anwendungswissen, das in keiner dokumentierten Information abgebildet ist (= 7.1.6-Lücke).

Warum 7.1.6 ein Mittelstands-Spezialthema ist

Großkonzerne haben oft formalisierte "Knowledge Management"-Funktionen — Mittelständler nicht. Genau deshalb ist Klausel 7.1.6 für letztere ein Audit-Brennpunkt. Die Norm verlangt nicht, dass eine Wissensdatenbank existiert, sondern dass die Organisation bewusst mit ihrem kritischen Wissen umgeht. In der Praxis fragen DEKRA-, TÜV-Süd- und DQS-Auditoren typischerweise: "Welches Wissen müssen Sie haben, um Ihre Produkte konform zu liefern? Wo liegt es? Was passiert, wenn die zentrale Person ausfällt?" Wer darauf nur mit "wir haben einen Schulungsplan" antwortet, hat 7.2 erfüllt, aber 7.1.6 verfehlt.

Die Verbindung zu 7.2 und 7.5

Die drei Klauseln greifen ineinander: 7.1.6 fragt welches Wissen die Organisation braucht; 7.2 fragt, wer es haben muss; 7.5 fragt, wie es dokumentiert ist. In Audits sehen wir regelmäßig, dass Mittelständler 7.5 vorbildlich erfüllen (Verfahrensanweisungen sauber gelenkt), 7.2 ordentlich (Schulungsmatrix vorhanden), aber 7.1.6 ignorieren. Das Resultat: ein dokumentiertes QM-System, das beim Ausfall einer Schlüsselperson nicht mehr trägt — und genau das ist ein Major-Finding.

Wie BusFactor Klausel 7.1.6 prüffest macht

BusFactor ist von Haus auf 7.1.6 zugeschnitten: rollenbezogene Wissensbereiche werden explizit modelliert, mit Verantwortlichen und Stellvertretern. Lessons Learned werden nicht in einem freien Wiki versenkt, sondern strukturiert an die jeweilige Rolle und den Kompetenzbereich gehängt. Auditoren bekommen damit eine direkte Antwort auf "wo ist Ihr Organisationswissen?" — inklusive Versionshistorie, die 7.5 zur dokumentierten Information automatisch miterfüllt. Für IATF-16949-Lieferanten in der Automobilindustrie ist das besonders relevant, weil dort 7.1.6 in jedem Audit-Zyklus geprüft wird.

Umsetzungs-Checklisten

Klausel 7.1.6 prüffest umsetzen

  • Liste des Organisationswissens nach Quellen: intern (Erfahrung, Lessons Learned) und extern (Normen, Konferenzen, Lieferanten)
  • Verantwortlichkeit pro Wissensbereich benennen (nicht: „die ganze Abteilung“)
  • Aktualisierungsprozess: wer prüft jährlich, was sich geändert hat?

Kompetenzmatrix lebendig halten (7.2)

  • Pro Rolle: Kompetenzanforderungen + Bewertungsmethode + Nachweis
  • Mindestens jährliche Aktualisierung (nicht nur vor dem Audit)
  • Lückenanalyse mit konkretem Maßnahmenplan

Lessons Learned strukturieren

  • Standardisierter Abschluss-Workflow für Projekte/Aufträge
  • Mindestens drei Felder: was lief gut, was nicht, was wenden wir nächstes Mal anders an
  • Verbindung zur Wissensdatenbank — nicht: Excel im Projektordner versenken

Häufige Fragen

Reicht ein Wiki/Confluence für Klausel 7.1.6?

Technisch ja, organisatorisch oft nein. Wikis ohne klare Verantwortlichkeit pro Wissensbereich werden in Audits regelmäßig als „nicht aufrechterhalten“ gewertet. Entscheidend ist die Governance, nicht das Tool.

Wie oft muss das Organisationswissen aktualisiert werden?

Die Norm sagt: in dem erforderlichen Umfang zur Verfügung gestellt. Praktisch: mindestens bei jeder relevanten Änderung (neuer Prozess, neue Norm, Personalwechsel) plus jährliche Gesamtprüfung.

Gilt 7.1.6 auch für Dienstleister ohne Produkt?

Ja. Die Norm spricht von „Produkten und Dienstleistungen“ — Beratungen, Planungsbüros, IT-Dienstleister fallen voll darunter.

Quellen & weiterführend

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